Warum ich keinen sogenannten Meister/Guru mehr auf das Podest stelle

Ich bin eine Suchende; immerwährende Weisheiten aus verschiedenen Traditionen und Mysterien-Schulen interessieren mich sehr.

Über sehr viele Jahre besuchte ich Seminare von westlichen Weisheitslehrern, die starke spirituell/geistige Fähigkeiten und ein immens grosses Wissen in sich trugen. Diese setzte ich automatisch – wegen ihren Fähigkeiten und was sie sagten – auf ein Podest. Bis ich in mehrtägigen Seminaren beobachten und erfahren konnte, welch subtile Manipulationen stattfanden, die ego-getriggert waren. Auf Details gehe ich hier nicht ein. Dies genügte jedoch, um meine selbst-hergeleitete Annahme einer höher entwickelten Gesamtpersönlichkeit dieser Lehrer zerplatzen zu lassen, was für mich ein schmerzhaftes Erwachen war. Eine Illusionsblase weniger …

Als ich mich dann mit dem Mantraheilen in der tibetischen Medizin beschäftigte, kam ich mit dem Weisheitsfeld des Buddhismus in Kontakt, was mich veranlasste, die buddhistischen Praktiken auch in meinem Alltag einzubinden.

Um meinen Wissensstand zu vergrössern, folgte ich über eine längere Zeit verschiedenen Meistern im tibetischen Buddhismus. Dann erreichte mich eine Nachricht, dass ein Meister, dem ich seit längerem folgte und den ich in meiner menschlichen Naivität als geistige Emanation von Padmasambhava angesehen hatte (wie uns dies mitgeteilt worden war) und ihn deshalb für unfehlbar hielt, im Ausland von einer grossen Sangha des sexuellen Missbrauchs angeklagt wurde.

Diese Nachricht schockierte mich so sehr, dass auch diese Illusionsblase zerplatzte und ich mich von diesem Gebiet abwandte. Dieses Mal jedoch fiel ich in ein dunkles Loch.

Ich fand mich in einer inneren Krise wieder, bis mir bewusst wurde, dass all diese Erfahrungen geschehen mussten, um mich von meinen selbsterzeugten Illusionen zu befreien. Es zeigte mir auf, dass es auf dem Weg der geistigen Entwicklung wichtig ist, auch das Menschsein mitzuentwickeln. Besonders das Ego entwickelt sich auf dem geistig/spirituellen Weg auch weiter und wird immer subtiler, jedoch nicht schwächer. Da hilft der neutrale, innere Beobachter und, hin und wieder in die Demut zu gehen.

In dieser tiefen Persönlichkeitskrise hatte ich meine eigenen Wurzeln verloren, oder besser gesagt, gar noch nicht gefunden. Somit ging ich auf die Suche. Wo lebe ich? In der Schweiz. Was sind die spirituellen Traditionen hier in diesem Lande? Die Kelten waren über eine lange Zeit in Europa ansässig und hinterliessen ihre Spuren. Also tauchte ich ins Wissens- und Tätigkeitsfeld der Kelten ein und kam in eine tiefere Berührung mit der Natur und den Elementen. Mich begann das Thema der Priesterinnen von Avalon zu interessieren und brachte mich geistig wieder in andere Gefilde.

Auf diesem Weg merkte ich langsam, dass ich niemanden mehr auf ein Podest stellen muss; wir sind alle auf unserem Entwicklungsweg. Eine neue Freiheit machte sich in mir breit. Je nach Situation in meinem Leben, kann ich mal in dieses und in jenes Feld eintauchen, um neue Informationen zu erhalten, die meinen Geist erweitern und mir helfen, mich weiter zu entwickeln.

Somit bin ich nun frei, wenn ich zum Beispiel auf Reisen gehe, in England ins keltisch/avalonische Feld einzutauchen, in Ägypten ins Feld der altägyptischen Mysterien und wenn ich meine tibetischen Mantras rezitiere, ins Weisheitsfeld des Buddhismus.

Und ich glaube, um das geht es im Leben. SEI DEIN EIGENER MEISTER; schöpfe deine inneren Wahrheiten aus den Weisheitslehren, die mit dir gerade resonieren, für deine eigene, individuelle Entwicklung.

Jedes Mal wenn ich wieder in ein Weisheitsfeld eintauche, eröffnen sich mir neue Wahrheiten, oder zeigen sich mir Einsichten von einer anderen Seite. Ein wahrlich spannender Entwicklungsweg …

Heute bin ich diesen Lehrern und Meistern dankbar für diese Erfahrungen. Sie haben mir geholfen, mehr Klarheit zu erlangen und eine reinere Sichtweise zu erhalten. Denn wie kann ich erkennen, wenn ich im Aussen nicht gespiegelt werde?

Gleichzeitig ermahnt es mich, auch bei mir den neutralen Beobachter lebendig zu halten, damit ich meine menschlichen Aspekte zusammen mit meinem geistig/seelischen Bewusstsein weiterentwickeln kann.

So ist jeder auf seinem Weg und übernimmt zu Zeiten gewisse Rollen (oft unbewusst), die anderen wiederum zu mehr Bewusstsein verhelfen können.

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